Ostfriesische Kanäle - ein prägendes Merkmal der ostfriesischen Landschaft

Im äußersten Nordwesten unseres Landes liegt das, was man als ostfriesische Halbinsel bezeichnet. Ausgehend von sehr unwirtlichen Lebensbedingungen – ein großer Teil von Ostfriesland war von Hochmooren bedeckt – bildeten sich Mitte des 17. Jahrhunderts die ersten Fehnsiedlungen, wie z. B. Großefehn. Die Endung -fehn bedeutet so viel wie ‚Siedlung im Moor‘, wie es im Ortsnamen ‚Veenhusen‘ deutlich zum Ausdruck kommt (die Besonderheit hier ist die niederländische Schreibweise: Veen…).


Zur Entwässerung des Moors wurden Fehnkanäle gegraben (auch Wieken genannt).

Häufig führen diese Wieken schnurgerade kilometerweit durch die Landschaft, wozu es notwendig wurde, in gewissen Abständen die landschaftstypischen weißen Klappbrücken zu bauen, die es den Moorkolonisten, die beiderseits der Hauptwieken wohnten, ermöglichen sollten, ohne allzulange Umwege auf die andere Seite des Kanals zu kommen.

Neben der Entwässerung dienten die Kanäle natürlich auch als Transportwege.

So wurde der abgebaute Torf mit den so genannten ‚Törfmuttjes‘ vom Gewinnungsort zu den größeren Ansiedlungen, wie z. B. Emden, transportiert, wo die Haushalte ihn als Brennstoff benötigten. Diese Spezialschiffe, die Törfmuttjes, werden auch als Flachbodenschiffe bezeichnet und eigneten sich hervorragend für Ostfrieslands Wasserwege. Der Bau dieser malerischen Gefährte, die vor der Motorisierung häufig unter Segeln fuhren, bildete eine lukrative Einkommensquelle für die ostfriesischen Werften. In Großefehn liefen um 1865 60 Seeschiffe und 150 Binnenschiffe vom Stapel (entnommen: www.nordwestreisemagazin.de)

Im Laufe der Kolonisierung, die ursprünglich von großer Armut geprägt war, wurden auch zunehmend Baustoffe transportiert. Hatte ein Törfmuttje z. B. in Emden seine Ladung Torf abgeliefert, wurde auf der Rückfahrt Steine und Sand mitgenommen. So wandelten sich die ärmlichen Plaggenhütten mit der Zeit zu schmucken Steinhäusern.